Zu der vierten Veranstaltung der Reihe „Zeitzeugen“ hatte die Fachkonferenz Geschichte des Kurfürst-Salentin-Gymnasiums Herrn Wolfgang Gottschling eingeladen, einen Betroffenen und Zeitzeugen des 17. Juni 1953. Der damals 26jährige Westberliner Student geriet an diesem Tag zufällig in Ostberlin in die Fänge der Stasi und der DDR-Justiz. Da die SED-Führung den Aufstand nicht auf eigene Fehler, sondern auf die Agitation westlicher Provokateure zurückzuführen versuchte, kam ihr der junge Mann gerade recht: Man warf ihm vor, als „faschistischer Rädelsführer aus Westberlin“ habe er „einen Putschversuch anzetteln“ und den Sturz der DDR-Regierung vorbereiten wollen. In einem Schauprozeß wurde Wolfgang Gottschling, der die Todesstrafe befürchtete, zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt.
Nach drei Jahren Haft „vorzeitig“ entlassen, stand Gottschling schwerkrank und als gebrochener Mann vor dem Nichts.
Die Geschichtskurse der 13. Jahrgangsstufe hörten seinem Bericht gespannt zu. Anschließend war der 81jährige gerne bereit, die Fragen nach einer Zeit, die heute den jungen Menschen fern und fremd erscheinen muß, ausführlich zu beantworten.
Die handsignierten Exemplare seiner Erinnerungen „Wie das Leben so spielt“ stießen auf große Nachfrage. Dieses spannend geschriebene wertvolle Zeitdokument ist geeignet, gerade jungen Lesern die Bedeutung demokratischer Grundwerte wie Freiheit, Gerechtigkeit und Zivilcourage zu vermitteln.
Peter Heinsch







