KSG-Schüler besuchten das Landeshauptarchiv in Koblenz
Ein Bericht von Frau OStR Wiebke Bartholomae
Das sind nur einige der Fragen, die Frau Dr. Christine Goebel vom Landeshauptarchiv in Koblenz den KSG - Schülern beantwortete. Die Mitglieder des Geschichtsleistungskurses der Jahrgangstufe 12 besuchten mit ihrer Fachlehrerin Wiebke Bartholomae das Archiv, das es sich zur Aufgabe macht, das schriftliche Gedächtnis des Landes Rheinland-Pfalz zu bewahren. Dieses Gedächtnis erstreckt sich über fast 1200 Jahre Geschichte, deren Zeugnisse auf insgesamt 50km langen Regalreihen archiviert sind. Die älteste Urkunde stammt aus dem Jahre 821, von Ludwig dem Frommen, dem Sohn und Nachfolger Karls des Großen.
Während der Führung bewunderten die Schüler nicht nur die wunderschön ausgemalten Initialen einer mittelalterlichen Urkunde, sie rätselten auch über die Informationen einer alten historischen Karte und staunten über die Mengen von im Keller gestapelten Material, das noch archiviert werden muss. Täglich erhält das Archiv Papiere, teilweise von Privatpersonen, vor allem aber von Behörden. Diese Materialien müssen gesichtet, ausgewählt, archiviert oder vernichtet werden. Eine mühselige Arbeit! Als Frau Dr. Goebel dann noch auf die lange Ausbildungszeit für den Beruf des Archivars verwies, Universitätsstudium, Promotion und anschließende Fachausbildung, erschien der Gruppe trotz guter Aussichten dieser Beruf nicht sehr verlockend.
Geradezu unterhaltsam ging es in der Restaurationswerkstatt zu. So zeigte unter anderem ein Mitarbeiter, wie er eine zerstörte Urkunde reparierte, indem er einen Papierbrei herstellte und den Papierrest damit ergänzte und glättete.
Zum Abschluss der Führung waren die Schüler selbst gefordert. Sie hatten im Lesesaal erfahren, wie sie sich Quellen für eine wissenschaftliche Arbeit besorgen können. Nun mussten sie versuchen, diese auch zu lesen. Sie erhielten verschiedene Materialien aus der Zeit um 1840. Diese waren in einem Zeitalter ohne Schreibmaschine oder gar Computer mit der Hand geschrieben, und zwar in Sütterlin-Schrift, die es erst einmal zu entziffern galt. Einige Texte waren auf Französisch verfasst. Die französische Schreibschrift des 19. Jahrhunderts gleicht der heutigen und ist deshalb leicht zu lesen – natürlich nur, wenn man Französisch gelernt hat.
Und damit sind wir bei den anfangs erwähnten Fragen. Ja, Charles Marx ist Karl Marx und nicht nur von ihm, sondern auch z.B. von Henri (Heinrich) Heine lag der Steckbrief vor. Sie wurden wie Verbrecher gesucht, weil sie politische Kritik geübt hatten, und wanderten aus nach Paris, Marx später weiter nach London. Diese und andere Originaldokumente in der Hand zu halten, war ein eindrucksvolles Erlebnis, das den lehrreichen Tag im Landeshauptarchiv abschloss.