29.11.2011: KSG setzt Nazi-Opfern Denkmal
Von Peter Karges (Rhein-Zeitung)
Zum Gedenken an ehemalige jüdische Schüler des Kurfürst-Salentin-Gymnasiums (KSG), die im Dritten Reich ermordet wurden, hat der Künstler Gunter Demnig jetzt zehn messingfarbene Stolpersteine vor dem Schuleingang verlegt. „Wir legen Wert darauf, dass wir eine offene und tolerante Schule sind, und dies wollen wir unter anderem mit den Stolpersteinen dokumentieren", betonte Schulleiter Gerd Schumann.
Die jüdischen Schüler hatten das KSG in der Zeit von 1876 bis 1937 besucht. Das jüngste Opfer, an das die Stolpersteine erinnern, ist Siegbert Portje, der 1923 als Sohn eines Andernacher Kaufmanns geboren wurde. Da sein Vater im Ersten Weltkrieg Soldat war, konnte Siegbert noch 1935, zwei Jahre nach der Machtergreifung der Nazis, in die sechste Klasse aufgenommen werden. 1937 musste allerdings auch er das Gymnasium verlassen.
Die Nazi-Opfer waren keineswegs nur Andernacher. So stammten Leopold Kallmann aus Neuwied, Maximilian Klee aus Saffig und Moritz Meyer aus Remagen. Soziologisch betrachtet, entstammten die Opfer dem unteren Teil der Mittelschicht, die Eltern waren vielfach kleine Kaufleute, Metzger oder Viehhändler. Der Besuch des Gymnasiums, der finanziell ja durchaus für die Familien mit Belastungen verbunden war, wurde wahrscheinlich als Möglichkeit zum sozialen Aufstieg der Kinder angesehen. Der letzte jüdische Schüler, der das Zeugnis der mittleren Reife am KSG erwarb, war der Andernacher Albert Weber. 1936 verließ er die Schule. Später gelangen ihm und seinem Vater Sigmund Weber, der ebenfalls das Gymnasium besucht hatte, sowie seiner Mutter Margarete Weber zunächst die Flucht nach Frankreich. Von dort wurden sie aber 1944 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Das Geld für die zehn Stolpersteine hatten Schüler, Lehrer und Eltern gemeinsam gesammelt. Die Idee hierzu entstand innerhalb eines Geschichtsprojekts unter Leitung von Annemie Girgert. „Wir hatten zwar schon eine Gedenktafel für die jüdischen Opfer, aber auf Gedenktafeln schaut man oft nicht. Bei den Stolpersteinen dies anders, man erinnert sich ständig daran, was geschehen ist, dies ist wichtig", sagen die Schülerinnen Carol Souleiman, Giulia Schreyer und Lorena Eulgem.





