Exkursion nach Verdun am 14.4.2011
Ein Bericht von Peter Heinsch
Das Unvorstellbare, das sich von Februar bis Dezember 1916 auf den Schlachtfeldern von Verdun ereignet hat, die Hunderttausende gefallene Soldaten, der von Bomben und Granaten umgepflügte Boden, war eine der größten Katastrophen der Weltgeschichte und ist für uns heute die überzeugendste Mahnung zum Frieden. Diesem ungeheuren Eindruck kann sich auch derjenige nicht entziehen, der die Gedenkstätten schon mehrmals besichtigt hat.
Auch in diesem Jahr besuchten die Geschichtskurse der Jahrgangsstufe 13 Verdun, auch in diesem Jahr standen das Mémorial, das Ossuaire, die Festung Douaumont und das verschwundene Dorf Fleury auf dem Programm, durch das Herr Johann vom Volksbund Kriegsgräberfürsorge wieder sachkundig führte.
Für die schiere Menge der Opfer reicht keine Vorstellungskraft aus - die Gebeine von 130000 jungen Soldaten, viele kaum älter als unsere Schüler, oder die 15000 Soldatengräber - wer kann sich ausmalen, wieviel lachende, hoffende, liebende Lebensfreude und Lebenskraft hier sinnlos vernichtet wurden?
Und die Festung! Wir schlüpfen einmal in die Rolle eines Soldaten, der in dieser unterirdischen Welt in Not und Angst, in Blut, Dreck und atemberaubenden Mief leben mußte, immer vor Furcht zitternd, gleich zerfetzt, verwundet, für das restliche Leben entstellt zu werden.
Wie kann ein ganzes Dorf verschwinden? In Fleury, das unglücklicherweise auf der Hauptkampflinie lag, erinnern nur noch Stelen im aufgewühlten Boden an frühere Straßen, Denkmäler an die Häuser.
Aber man darf auch hoffen. Vor dem Ossuaire erinnern wir uns an den Händedruck an dieser Stelle zwischen Bundeskanzler Kohl und dem französischen Staatspräsidenten im Jahr 1984. über der fürchterlichen Festung Douaumont wehen jetzt drei Fahnen, die deutsche, die französische und die europäische. Und die Kapelle im verschwundenen Dorf Fleury ist Maria („Notre Dame de l’Europe“) geweiht.
Die größte Hoffnung liest man jedoch in den Gesichtern der Schüler. Diese Exkursion nach Verdun hat uns gelehrt: Krieg ist absurd.